reverse recruiting

Junge Zielgruppen brauchen ein völlig anderes Recruiting

Als Hochschul-Lehrer für HR und Organisation interessiert mich brennend, was meine Studenten wirklich beruflich machen wollen und wie sie die Arbeitswelt wahrnehmen. Gleichzeitig teilen mir die Executives kleiner und mittelständischer Unternehmen mit, dass sie kaum interessante junge Bewerber, weder Azubis noch Hochschulabgänger, für sich gewinnen können.

Tatsächlich kommen für junge Zielgruppen häufig nur die klassischen Namen als Arbeitgeber in Betracht – obwohl sie dort erschreckend wenig bewegen können und es tausende anderer und besserer Unternehmen für sie gibt. Nur haben diese weder ein Image noch einen Bekanntheitsgrad.

„Mittelstand ist boring“

Aus Fokusgruppen heraus sind gute Einblicke in die Wahrnehmung und in die Erwartungshaltungen junger Menschen entstanden, die einen definitiv falschen Eindruck wiedergeben.  Aussagen wie „Unter keinen Umständen will ich für so eine Langweiler-Firma arbeiten“, „die fühlen sich ja mega-wichtig in ihrer Hierarchie“ oder „warum kann eigentlich nur Nike cool sein?“ sind noch die harmlosesten Fazits der Wunschbewerber vieler inhabergeführter Unternehmen.

„Liebe Recruiter im Mittelstand: so wie Ihr vorgeht, wird es nichts mit uns“

So könnte man das Ganze zusammenfassen. Junge Menschen suchen keine Arbeitgeber, sondern Buddys, mit denen sie sinnvolle Aufgaben für ein besseres Leben – ihr besseres Leben – angehen und vor allem Spaß haben können. Schauen wir uns mal den typischen mittelständischen Hidden Champion an: finden wir da Spaß auf der HR-Seite? Den Hinweis darauf, die Welt ein Stück besser machen zu können? Nö. Wahrscheinlich finden wir noch nicht mal eine richtige HR-Seite.

Reverse-Recruiting als die Zukunft für Unternehmer

Auf dieser Basis des wirklich dringenden Veränderungsbedarfs gerade bei inhabergeführten Mittelstandsunternehmen habe ich gemeinsam mit meinem Team bei der Arbeitgeber-Manufaktur daher eine besondere Reverse Recruiting-Methode entwickelt. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass junge Menschen in erster Linie etwas Cooles auf die Beine stellen wollen, dass sie sich extrem engagieren, wenn sie den Sinn erkennen, viele Dinge wesentlich besser über moderne Kanäle kommunizieren als wir und auch ausgesprochen gute Teamplayer sind, mit denen es Spaß macht, neues zu schaffen.

Unsere Methode des Reverse Recruiting setzt auf junge Mitarbeiter im Unternehmen als Influencer, um Wunschbewerber zu erreichen. Es beschreitet innovative Wege der Strategieentwicklung gemeinsam mit jungen Menschen, setzt auf neue Formate und Kanäle und effizient und zum großen Teil selbst produzierten Content. Die klassische Führungkraft im Unternehmen, den „Ausbilder“. „Recruiter“ oder „Abteilungsleiter“ gibt es an dieser Stelle nicht, nur den Mentor, der den Prozess als Buddy unterstützt.

Reverse-Recruiting ist Gewinn durch Verzicht

Die Methode zeichnet sich durch eine Entbürokratisierung des Bewerbungsprozesses ebenso aus wie auf den Verzicht auf Imagefilmen, Hochglanz-Videos, Profifotos glücklicher Mitarbeiter oder Hinweise auf tolle Atmosphäre, hervorragende Karrierechancen oder das Boot-Camp auf dem Parkplatz. Viel mehr führt Reverse-Recruiting zur echten Darstellung von Qualitäten und Stärken, bei der die Motivierten im Unternehmen den coolen Wunschbewerbern zeigen, was sie erwartet und warum sie verrückt wären, da nicht mitmachen zu wollen. Es setzt auf interne Influencer, neue Tools und Formate und viel Raum zum Selbermachen.

Machbare Revolution für den Mittelstand

Diese Methode braucht keine Agenturen, Filmfirmen, Headhunter oder Beraterteams, sie braucht nicht mehr als das Verständnis für die Systematik, Gestaltungsfreiräume für Mitarbeiter und internes Engagement. Natürlich ist auch all dies nicht umsonst zu haben, aber erheblich effizienter und erfolgversprechender als die althergebrachten Standards. Wir führen gerade den Machbarkeitsnachweis mit Azubi-Projekten und es zeigt sich bereits, dass unsere Learnings zum Beispiel auch auf High Potentials an Hochschulen übertragbar sein werden.

Ein extrem positiver weiterer Effekt: Es ergeben sich zahlreiche interne Impulse, ein starkes Wir-Gefühl und ein deutlicher Push für das Unternehmens-Why.

Liebe Unternehmer und Recruiting-Verantwortliche: Wenn Sie Reverse-Recruiting interessiert, schreiben Sie mir bitte eine E-Mail und ich teile meine Erkenntnisse sehr gern mit Ihnen. Ggf. kann ich Sie ja dann sogar für ein gemeinsames Leuchtturm-Projekt begeistern, das auch Ihr Recruiting revolutioniert.

martin.dunker@arbeitgebermanufaktur.de

Foto: pexels-vlada-karpovich-4050299